Die Insulinpumpe

Kurz vor Weihnachten kommen wieder zwei meiner ZUCKERKINDER und bekommen eine Insulinpumpe. Das ist eine wirklich tolle Therapiemöglichkeit mit vielen Vorteilen, über die ich euch gerne erzählen möchte.

Für Kinder mit Diabetes ist eine Insulinpumpentherapie eine sehr gute Alternative zur Insulintherapie mit mehreren Injektionen täglich. Bei der intensivierten-konventionellen Insulintherapie müssen regelmäßige Mess-, Spritz- und Essenszeiten eingehalten werden. Doch vor allem Kinder bewegen sich sehr viel mehr als die meisten  Erwachsenen, essen auch unregelmäßiger. Sie haben auch eine erhöhte Insulinempfindlichkeit, d.h. die Insulinaufnahme ins Blut verläuft bei ihnen wesentlich rascher als bei Erwachsenen. Die exakte Einstellung des Bedarfs an Insulin gelingt mit der Insulinpumpe deutlich besser als mit der herkömmlichen Spritzentherapie.

diabetes-insulin-pumpAber wie funktioniert nun so eine Insulinpumpe?

Die Insulinpumpe ist nicht größer als ein Handy und wiegt nicht mehr als eine Tafel Schokolade. Sie ist sehr robust und manche Modelle sind auch wasserfest, wenn man im Sommer z.B. ins Schwimmbad gehen will. Sie können dann aber auch ganz einfach abgelegt und nach dem Schwimmen wieder angelegt werden.

Über einen Katheter, das ist ein dünner Plastikschlauch mit einer Kanüle, also einer Nadel, die gleich groß ist wie jene von deinem Pen, wird das Insulin kontinuierlich in das Unterhautfettgewebe abgegeben. Dieser Katheter muss jeden zweiten Tag gewechselt werden. Die Insulinpumpe kann so programmiert werden, dass sie dem schwankenden Tagesablauf eines Kindes gut angepasst werden kann. Die Pumpe kann auch kleinste Mengen Insulin verabreichen, was besonders bei Kleinkindern sehr wichtig ist.

Bei der Insulinpumpentherapie wird kein lang wirkendes Insulin benötigt, die Pumpe enthält nur sehr kurz wirkendes Insulin. Davon wird ständig eine kleine Menge abgegeben, die als sogenannte Basalrate den Grundbedarf des Körpers an Insulin abdeckt. Die Pumpe kann also wie unsere Bauchspeicheldrüse rund um die Uhr kleinste Mengen an Insulin abgeben. Das Mahlzeiteninsulin wird von den Kindern selbst per Knopfdruck abgegeben. Das Bedienen der Pumpe ist ganz einfach und mit einem Handy vergleichbar!

Die Insulinpumpe bringt noch viele weitere Vorteile mit sich. Es können vor allem Unter- und Überzuckerungen deutlich vermindert werden. Der Blutzuckeranstieg in den frühen Morgenstunden, auch Dawn-Phänomen genannt, der vor allem bei Jugendlichen in der Wachstumsphase auftritt, kann mit der Pumpe besser abgedeckt werden. Die Blutzuckerwerte werden insgesamt deutlich stabiler. Eine bessere Stoffwechsellage mit weniger „Ausreißern“ bei den Blutzuckerwerten ist die erfreuliche Folge.

Am wichtigsten jedoch ist, dass den Kindern mehr Freiheit und Flexibilität ermöglicht wird. Sie können ihren Tagesablauf selbst gestalten. Die Essenszeiten  können ganz individuell ausgewählt werden, Sport kann ganz spontan zu jeder Tageszeit betrieben werden, da die Basalrate kurzfristig verändert  und dem aktuellen  Bedarf angepasst werden kann. Auch das Ausschlafen am Wochenende ist  kein Problem mehr. Viele meiner Patienten, die sich für eine Pumpe entschieden haben, möchten diese auch nicht mehr hergeben und genießen die vielen Vorteile, die diese Therapieform uns bietet.

Wichtig für meine Arbeit mit meinen  Patienten ist, ihnen möglichst viele Freiheiten und Individualität zu ermöglichen, ihnen zu vermitteln, dass das Leben als ZUCKERKIND viel Spannendes und Freudiges mit sich bringt und nicht nur Einschränkungen bedeutet.

Die Umstellung auf eine Insulinpumpe erfolgt bei uns im Krankenhaus und dauert ca. 1 Woche. Die technische Schulung wird schon vorab bei den Kindern zu Hause durch speziell ausgebildetes Personal der Pumpenfirmen durchgeführt. Dadurch wird der stationäre Aufenthalt verkürzt. In der Woche im Krankenhaus lernen die Kinder die Pumpe im Alltag zu bedienen und auf spezielle Situationen zu reagieren. Die Programmierung der Pumpe wird von mir durchgeführt und durch sogenannte Basalratentests dem individuellen  Bedarf angepasst.

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Therapiemöglichkeiten für ZUCKERKINDER

Der Winter nimmt langsam Einzug, die Tage werden kürzer, und während einer kleinen Pause in meinem Nachtdienst schreibe ich diese Zeilen.
Das Thema Insulin bzw. Insulintherapie ist ein zentraler Punkt für alle ZUCKERKINDER,  und dem möchte ich mich heute widmen.

In der ersten Zeit nach der Diagnose verändert sich das Leben rasant, viele neue Eindrücke müssen verarbeitet werden, Entscheidungen werden getroffen. Von nun an ist es notwendig,  den Körper mit Insulin zu versorgen.

Aber was ist dieses Insulin, von dem alle immer sprechen, eigentlich?

Insulin ist ein körpereigenes Stoffwechselhormon, welches in der Bauchspeicheldüse produziert wird. Es ist das einzige Hormon, welches den Blutzuckerspiegel senken kann und deshalb für uns alle ganz wichtig.

Arbeitet die Bauchspeicheldrüse nicht richtig, wird es notwendig, den Körper von außen mit Insulin zu versorgen. Bei der Wahl der Insulintherapie spielen viele Faktoren eine Rolle, vor allem das Alter des Kindes.

Bei Schulkindern beginnen wir mit einer sogenannten „intensivierten Insulintherapie“.
Einerseits wird schnell wirksames Insulin zu den Mahlzeiten und zur Korrektur gespritzt, das ist das so genannte  Bolusinsulin.
Andererseits braucht der Körper, unabhängig von den zugeführten Kohlenhydraten, eine Grundversorgung mit Insulin. Das machen wir mit dem Verzögerungs- oder Basisinsulin.

Diese Art der Therapie nennt man das „Basis-Bolus-Prinzip“, und dabei versuchen wir den Körper möglichst genau so mit Insulin zu versorgen, wie eine gesunde Bauchspeicheldrüse das tut. Das Basisinsulin wird je nach Insulinart und Blutzuckerverlauf ein- bis zweimal am Tag gespritzt und deckt den sogenannten „Leberzucker“ ab, denn die Leber versorgt unsere Körperzellen  im Nüchtern Zustand – also wenn wir nichts gegessen haben –  mit Zucker.
Das Bolusinsulin wird zu den Mahlzeiten bzw. bei zu hohen Blutzuckerwerten verabreicht.

Diese Art der  Therapie hat den Vorteil, dass wir sie besser an die Lebensführung und die Aktivitäten (Bewegung, Ruhe, Schule, Sport) der ZUCKERKINDER anpassen können. Besonders wichtig sind auch Blutzuckermessungen (Stoffwechselkontrollen).  Diese Blutzuckerwerte sowie alle Zucker-Stoffwechsel beeinflussenden Faktoren  müssen in einem eigenen Blutzucker-Tagebuch notiert werden.

Das alles stellt die kleinen Patienten vor große Herausforderungen.
Die Blutzuckermessungen und auch die Verabreichung des Insulins mit dem sogenannten “Pen“, können schmerzhaft sein. Wichtig ist es, die Kinder auch darauf vorzubereiten und ehrlich zu sein. Mit schmerzlindernden Pflastern sind zwar die Stiche erträglicher, doch meistens ist es viel schmerzhafter zu akzeptieren, dass sich das Leben nun grundlegend ändern wird. Unzählige Schulungen lenken oft ab, doch immer wieder überkommt die Kinder ein Gefühl von Trauer und Schmerz.

Für mich ist es besonders wichtig, meine ZUCKERKINDER in dieser so schwierigen Situation zu stützen und zu vermitteln, dass alle diese Gefühle gerechtfertigt sind und zugelassen werden sollen. Gemeinsam finden wir wieder Möglichkeiten,  diese negativen Gefühle zu verabschieden und in positive umzuwandeln.

Ein ZUCKERKIND zu sein ist nicht einfach, doch erleben wir gemeinsam während der vielen Aufenthalte im Krankenhaus immer wieder freudige Momente, die sowohl für meine ZUCKERKINDER als auch für mich besonders wichtig sind und uns allen in Erinnerung bleiben.

WILLKOMMEN BEI ZUCKERKINDER

Hallo und Herzlich Willkommen bei ZUCKERKINDER.
Ich bin Dr. Tanja Rojacher, Kinderärztin, und freue mich, dass Du hier bist.

Dies ist der erste Eintrag in meinem neuen Blog ZUCKERKINDER und deshalb möchte ich mit etwas Erstem beginnen, nämlich der Erstmanifestation.

Wenn bei einem Kind die Diagnose „Diabetes mellitus Typ  I“ gestellt wird, folgt eine sehr herausfordernde Zeit. Meistens ist ein Aufenthalt auf der Intensivstation notwendig, es werden venöse und arterielle Zugänge gelegt und viele Blutuntersuchungen durchgeführt. Neben der körperlichen Belastung ist es vor allem der psychische Stress, das Neue, das Unbekannte, das den Kindern zu schaffen macht.

Nach dieser ersten intensiven Phase werden die Eltern und Kinder in die Handhabung und Theorie der Insulintherapie eingewiesen. Ich habe oft beobachtet, wie fremd und unwirklich diese ganzen neuen Dinge für die Kinder sind. Gestern noch waren sie Oliver, Valerie oder Julia, heute sind sie „Valerie, 8 Jahre alt und Diabetikerin“.
Mit diesem Wort können die Kinder meistens gar nichts anfangen.
Auch ich als Ärztin, die täglich mit den Kleinen arbeitet, mag dieses Wort nicht besonders.
Deshalb nenne ich „meine“  Kinder auch immer ZUCKERKINDER. Das klingt für mich positiv, schön und lustig, und genauso empfinden es auch die Kinder.

Diese positive Energie ist ganz wichtig um die Kleinen und Großen in dieser herausfordernden Zeit zu unterstützen und sie durch alle Phasen, alle Hochs und Tiefs zu begleiten.

Meine ZUCKERKINDER haben viele Fragen und häufig bleibt im Krankenhaus-Alltag nicht genug Zeit, um alle so zu beantworten, dass sie mit guten Gefühl nach vorne blicken können.
Genau das ist jedoch das Wichtigste.
Woran Erwachsene gar nicht denken, beschäftigt Kinder am meisten.
Wie werden meine Mitschüler reagieren? Darf ich noch Sport machen? Darf ich Süßes essen?

Solche und viele anderen Fragen brodeln in den Kleinen und es ist ganz wichtig,  sich dafür Zeit zu nehmen. Ich gebe mein Bestes zu erspüren, wie es „meinen“ ZUCKERKINDERN geht, was sie belastet oder worüber sie sich Sorgen machen.

Auch die Traurigkeit ist ein ganz wichtiges Thema, denn anders als bei einer Grippe oder einer Verletzung, dürfen sich die Kinder (und Eltern) auf eine neue, bleibende Lebenssituation einstellen.

Wenn die Kinder realisieren, dass eine lebenslange Insulintherapie notwendig ist, ist es zunächst ein Schock, verbunden mit Angst und manchmal auch Wut.
Es ist für die Kleinen und Großen ganz wichtig, diese Gefühle und Emotionen ausleben zu dürfen, und sich dabei aufgefangen und verstanden zu fühlen.

Ich nehme mir Zeit, um ihnen zuzuhören, ihre Sorgen wahrzunehmen und sie bestmöglich zu betreuen.

Wenn die Kinder dann nach Hause gehen, beginnt der neue „Alltag“ , und es ist der erste Schritt in die Normalität als ZUCKERKIND.
Um in dieser Phase auch helfen zu können, wenn ich nicht anwesend bin, habe ich ein „Zucker-Notfall-Handy“ auf dem man mich bei Notfällen erreichen kann.

Ein ZUCKERKIND zu sein ist gewiss eine besondere Herausforderung, doch ich habe oft erlebt, wie Kinder an dieser Herausforderung nicht nur gewachsen, sondern über sich hinaus gewachsen sind.

Ein ZUCKERKIND zu sein bedeutet anders als die anderen zu sein, doch anders bedeutet keinesfalls weniger wert oder schlechter zu sein. Anders zu sein ist interessant.

Ein ZUCKERKIND zu sein, heißt den Körper und seine Bedürfnisse genauer wahrzunehmen und ihm Aufmerksamkeit zu schenken. Das ist etwas Gutes.

Ein ZUCKERKIND zu sein ist kein Urteil, das beweisen viele Promis aus Film, Musik und Sport, die als ZUCKERKINDER groß rausgekommen sind, z.B.: Schauspielerin Halle Berry, Olympiasieger Matthias Steiner und Carsten Fischer, Star Wars Regisseur George Lucas, Eishockeyspielerin Claudia Grundmann, Schauspielerin Judy Winter u.v.m.

Bist Du auch ein ZUCKERKIND? Wie geht es Dir damit? Wie war/ist die erste Zeit nach der Diagnose für Dich? Wie war/ist es für Dich im Krankenhaus?
Was könnte besser sein?

Ich freue mich auf Eure Kommentare!
Alles Liebe,

Eure Tanja